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Der Maßsattel-
ein Mythos?


Eine Sattelanpassung kann in der Praxis, wie auch zum Beispiel die Wirkungsweise von Medikamenten, von Natur aus keine exakt vorhersehbare Angelegenheit sein. Das ist deswegen so weil das Reiter-Sattel-Pferdsystem sich erstens bei jedem Tritt und zweitens mit Wandlung des Muskelzustandes, des Ausbildungsgrades und Reitweisen ändert.
Ein System, das sich sozusagen bewegt, braucht eine optimale Kompromisslösung, mit der der Bewegungsapparat gut zurecht kommt. Forschung und Erfahrung helfen dabei, neben dem handwerklichen Know How die richtige Auswahl und die richtigen Maßnahmen zu treffen.
Es gibt heute eine Fülle von Produkten mit ganz unterschiedlichen Technologien, Materialien und Gestalten, von traditioneller bis hoch moderner Art. Die Auswahl ist für einen Laien fast unmöglich. Lederqualität und Verarbeitungsqualität sind das Eine, die Technik und Innenleben sind das Andere. Vorstellbar wie bei einer Armbanduhr. Sehr teure Uhren sind nicht nur deswegen teuer weil sie vielleicht einen guten Namen haben und hochwertige Materialien verwenden, sondern weil teure Forschung betrieben wird und alles im eigenen Herstellerwerk erzeugt wird, nicht schnell und preiswert aus dem weltweiten Großhandel bezogen wird. Da Sättel immer mit dem wichtigsten aller Körperteile des Bewegungsapparates interagieren, ist der Vergleich auch mit einem Medikament zulässig. Gute Medikamente helfen ganz gezielt und haben wenige Nebenwirkungen. Ein guter Sattel hat auch per se keine nennenswerten Nebenwirkungen.
An den Beispielen sieht man, dass die Sättel eine Sonderstellung einnehmen, einerseits ist es ein Produkt aus Handwerk und Material, aber auch von Know How, Wissen um Anatomie und Bewegung und Anforderungen der Disziplinen und Reitweisen. Es ist so fächerumspannend, dass unbedingt eine hohe Sensibilität erforderlich ist und zwar multi- und interdisziplinär.
Sättel haben früher Sattler gemacht und angepasst. Heute kann man Sättel über eBay kaufen und angepasst werden sie nur selten,  Auswahl und Passform sind also oft ein Zufall.
Die Berufe, die sich mit Sätteln auseinandersetzen, kommen aus den verschiedensten Branchen wie  Handwerk, Handel, Tiermedizin, Heilbehandlung, Reitlehre. Jeder hat andere Erfahrungen und eine andere Sicht der Dinge aus verschiedenen Perspektiven. Die Erfahrungen aller sind wichtig, sind aber oft so konträr, dass sie verwirren und verunsichern können.
Eine solche doch so wichtige fächerübergreifende staatliche Ausbildung gibt es nicht.
Man kann das Handwerk des Sattelmachens, Polsterns und Reparierens als Lehrberuf oder auszugsmäßig ohne Lehre erlernen, man kann die Bewegungsphysiologie und die Anatomie an der Vet. Med. Uni als Student lernen und man kann selber reiten und die Reitlehrerprüfung mit den dazu gehörigen Lehrgängen ablegen, und der Handel bietet heute eine riesige Auswahl verschiedenster Produkte, die kann man sich auf der großen Sportartikelmesse in Köln ansehen. Aber das sattelrelevante Gesamtstudium als Paket gibt es nicht und wird nicht offiziell unterrichtet. Daher macht erst das Studium und Lernen aus allen Bereichen, die Verknüpfung dieser, das Selbststudium, die Sensibilität und Erfahrung des Einzelnen zum Experten.
Ein Sattelexperte muss keinen Sattel selber machen können, er muss vielmehr den richtigen Sattel aus dem riesigen Angebot auswählen und vor Ort anpassen können. Wenn sich das Pferd im Muskelaufbau verändert hat, sollte der Sattel wieder vor Ort angepasst werden können. Von dem  her ist es wichtig, dass dieser die Fertigkeiten dafür und das Wissen für die Anpassung professionell von den oben erwähnten  Teilbereichen erlernt hat um fachgerecht beraten und agieren zu können. Ein Sattelexperte sollte selber auch reiten und alle Produkte, die er verkauft selbst getestet haben.
Nachfolgend einige Berufe, die sich mit Sätteln auseinander setzten:

Sattler

Sattler lernen Sättel mehr oder weniger traditionell zu fertigen. Sie lernen den Umgang mit Leder, Schnitt- und Nahtführungen. Polstern und montieren des Sattelkissens, das ist der Teil des Sattels, der direkt auf dem Pferderücken liegt. Dies ist ein Lehrberuf und schließt mit der Gesellenprüfung ab, bei dieser muss man zB. ein Zaumzeug herstellen. Sattler ist ein geschützter Handwerksberuf und diese werden in der Innung für Tapezierer Sattler und Riemer (also auch die Möbel oder Fahrzeugsitze machen) zusammengefasst und gewerblich geschützt.

Sattler können durchaus auch zusätzlich Händler sein und auch private unten stehende Zertifikate innehaben.

spezieller oder eingeschränkter Sattler

Diese sind auch Inhaber des Gewerbescheines für Sattler und in oben beschriebener Innung dabei, nehmen aber eine Sonderstellung ein. Der Gewerbeschein ist auch eingeschränkt, zB eben auf das Polstern von Sattelkissen. Die Teilnehmer haben bei einem Sattlermeister die Fertigkeiten für das Aufpolstern und zB. Sattelstrippenreparieren, Kissen abnehmen und daraufnähen fachlich erlernt und sind offiziell zertifiziert und haben die Gewerbeberechtigung dafür erhalten. Dies ist kein Lehrberuf sondern eine Zusatzausbildung.
Diese Sattler haben nicht gelernt, wie man Tapezierarbeiten durchführt oder Fahrzeugsitze herstellt, aber auch nicht wie man einen ganzen Sattel zusammenbaut. Dafür wurden aber Sattelanpassungsrelevante Tätigkeiten fundiert erlernt.

Diese Sattler können natürlich auch zusätzlich Händler sein und private Zertifikate verliehen bekommen haben.

Pferdeergonom

Dies ist eine private Zertifizierung, die jeder vergeben kann. Der Name deutet darauf hin, dass man versucht, das Bewegungssystem Pferd mit seiner Anatomie stark zu berücksichtigen. Wichtig ist bei privaten Zertifikaten, dass die Vergabe renommierte und bewährte Sattelexperten vergeben und strengen regelmäßigen Prüfungen unterliegt.
Privat, nicht staatlich.

Private Zertifikate können auch gelernte Sattler zusätzllich führen. Wer eingetragener Sattler ist, sehen Sie auf der Homepage der österreichischen Wirtschaftskammer WKO.

Saddlefiter

Dies ist eine private Zertifizierung, die jeder vergeben kann. Der Name deutet darauf hin, dass die Anpassung des Sattels eine wichtige Rolle spielt. Die Bezeichnung kommt aus dem englisch sprachlichen Raum, USA, GB, wo Sattelanpassungen schon länger als essentiell anerkannt wurden. Wichtig ist bei privaten Zertifikaten, dass die Vergabe ausschließlich renommierte und bewährte Sattelexperten vergeben sollten und diese strengen regelmäßigen Prüfungen unterliegen müssen. Saddlefiter sind nicht bei der Innung der Sattler eingetragen und haben die relevanten Fertigkeiten vor einer staatlichen Behörde nicht evaluieren lassen.
Einige Hersteller vergeben dieses Zertifikat an Händler, die ihre Produkte verkaufen.
Privat, nicht staatlich.

Private Zertifikate können auch gelernte Sattler zusätzllich führen. Wer eingetragener Sattler ist, sehen Sie auf der Homepage der österreichischen Wirtschaftskammer WKO.



Sattelhändler

Sattelhändler fallen in den Handel für Sportartikel und Lederwaren. Es ist nicht geschützt. Jeder der Mitgliedsbeitrag zahlt erhält den Gewerbeschein.
Wichtig ist, daß die Sattelhändler ihre Produkte wirklich gut kennen, Technik, Herkunft, Qualität sollte hinreichend bekannt sein. Super wäre wenn die Händler, wie auch alle anderen oben beschriebenen Zünfte, selber reiten und die Produkte selber testen und so erfahren, oder erreiten.
Es gibt Händler, die zum Werk einiger ihrer Herstellerfirmen fahren und sich vor Ort das Konzept der Sättel ansehen.
Einige Händler bekommen von den Herstellern, von denen sie die Sättel beziehen oben beschriebene private Zertifikate (Saddlefiter oder dergleichen). Diese sagen nichts über eine Qualität aus, wichtig ist bei diesen privaten Evaluierungen immer die Transparenz und Qualitätssicherung dieser.

was lernen Tierärzte über Sättel

Derzeit gibt es auf der Vet. Med. Univ. Wien keine Vorlesung, Übung oder Seminar zum Thema Sattel und Sattelanpassung. Das Verständnis über Sattelpassformen kann man mit tierärztlicher Ausbildung nur im Selbststudium und in eigener intensiver Erfahrung holen. Anatomie und Bewegungsphysiologie, Orthopädie sind flankierende, gelehrte Disziplinen. Sie helfen, eine Vorstellung von der Sattelanpassung zu bekommen.

was lernen Reitlehrer über Sättel

Reitlehrer und Trainer erhalten von einem Sattelexperten während ihrer mehrsemestrigen Ausbildung in Österreich mehrere Einheiten in Theorie und Praxis über Sattelkunde und Anpassung.
Es wird das Verständnis über die Wichtigkeit der richtigen Passform in Hinblick auf Pferd, Ausbildung und Sitz geschärft. Meines Wissens findet dies auf Niveau der Reitlehrerausbildung statt, weniger bei Übungsleiter oder Instruktoren.